Montag, 20. September 2010

Stimmungs- und Meinungsmacher

Heute ganz kurz:
Wenn die Meinungsscharfrichter dich wieder mal in irgend eine Ecke stellen
warte einfach ab, bis sich der Dampf des verschossenen Pulvers  verzogen hat
und dann sei dankbar, dass sie dich auch diesmal
nicht an die Wand gestellt haben.
B. Buddeberg, also von mir              
 

Montag, 5. Juli 2010

Stephen Hawking ist nicht unfehlbar

Physicist Stephen Hawking said that, “There is a fundamental difference between religion, which is based on authority, [and] science, which is based on observation and reason. Science will win because it works.”

Der Physiker Stephen Hawking sagt „Es gibt einen fundmentalen Unterschied zwischen Religion, die auf Autorität (Ermächtigung, Vollmacht, Amtsbefugnis,Machtbefugnis, Fachmann/frau....= weitere Übersetzungsmöglichkeiten für authority!) gründet und der Naturwissenschaft, die auf Beobachtung und Verstand (Begründung, Beweggrund, Veranlassung) basiert. Die Naturwissenschaft wird gewinnen, weil sie funktioniert.“
Dieses Zitat fand ich im Facebook und muss mich auch nach längerem Nachdenken nur wundern, dass ein hochintelligenter Mensch wie Stephen Hawking sich zu solchen Äußerungen hinreißen lässt.
Die Naturwissenschaft funktioniert also. OK, wenn man von kleinen Ausnahmen, wie jetzt gerade im Golf von Mexiko, absieht. Grundsätzlich und in den überaus meisten Fällen funktioniert sie. Zum Glück. So ein Großraumflugzeug, das man von Zeit zu Zeit zum Reisen benutzt, funktioniert glücklicherweise. Allerdings würde wohl niemand auf den Gedanken kommen, dass der Umstand, dass diese (relativ simple) Konstruktion ein Beweis dafür wäre, dass es keinen Konstrukteur gäbe. Religion ist der Versuch, den Konstrukteur kennen zu lernen. Natürlich kann jeder ein Flugzeug benutzten, ohne den Konstrukteur zu kennen, ja sogar ohne auch nur eine blasse Ahnung von der Konstruktion zu haben. Aber selbst wenn jemand keine Ahnung von der Konstruktion hat, also von Physik und sonstiger Naturwissenschaft völlig unberührt ist, kann er/sie durchaus eine persönliche Beziehung zum Konstrukteur haben. Dass man den Konstrukteur erkennt oder besser kennen lernt, wenn man sein Werk mit Beobachtung und Verstand erforscht, kann passieren, ist aber nicht Voraussetzung und auch nicht zwingend Folge.
Einen Unterschied kann man nur herausarbeiten, wenn man einen Vergleich anstellen kann. Das ist bei diesen Ebenen nicht gegeben. Somit ist auch ein Wettbewerb ausgeschlossen, ein „Gewinner“ kann nicht ermittelt werden.
Bedenklich finde ich, dass solch ein sinnfreier Vergleich als Argument - oder sollte ich sagen Waffe - eingesetzt wird.
Übrigens kann ein Schlüssel zu Glauben (ich meine ausdrücklich nicht Religion) sein, die naturwissenschaftlich höchst relevante Frage zu stellen: Falls es einen Gott gibt, ich will es wissen.
Das daraus erwachsende Wissen definiert sich anders als nur naturwissenschaftlich, denn es gibt eben mehr zwischen Himmel und Erde als nur Naturwissenschaft. Und ganze Universen von Wissen auszuschließen, indem man ein Wissensgebiet verabsolutiert, ist gelinde gesagt unwissenschaftlich. (Entspricht übrigens dem Ansatz der Inqisition, die bekanntlich ihre Erkenntnisse verabsolutiert hat.)
Ich persönlich halte es da mit einem anderen großen Physiker: „Zwei Dinge sind unendlich: Das Universum und die menschliche Dummheit. Beim Universum bin ich mir allerdings nicht sicher.“ Albert Einstein



Sonntag, 20. Juni 2010

Dada in der Kulturhauptstadt

Heute Mittag in Essen (Kulturhauptstadt 2010), an der schäbbigen Seite vom Hauptbahnhof.
Ein ziemlich alkoholisierter Ruhri steht vor einer Baumscheibe mit Baumstumpf und beschwert sich lautstark bei den Passanten:"Die haben hier den Baum vergessen." Die meisten eilen vorbei. Ein etwa 30jähriger mit Freundin, ebenfalls Ruhri aber nüchtern, antwortet: "Den Baum hab ich inne Tasche" Darauf der Penner:"Deshalb werden wir auch Weltmeister."
Alles klar? Das ist Ruhrgebiet, das ist Kulturhauptstadt, das ist Kultur, das ist Dada im 21. Jahrhundert.
Dann kann ja nichts mehr schief gehen, oder?
Wir sind eben Weltmeister!

Freitag, 18. Juni 2010

Erzengel

Wie wir aus gut unterrichteten Kreisen erfahren, liegen den himmlischen Heerscharen Beschwerden aus der Parteienlandschaft vor, dass deren Beistand ungerecht verteilt sei und man dementsprechend Antrag auf Aufstockung im Personalbereich stelle.

Anlass für die geforderte Neuregelung ist die Tatsache, dass einzig der SPD mit Gabriel ein Erzengel zur Seite gestellt sei.
Die Verwaltung legt nun nach eingehender Prüfung folgenden Lösungsansatz vor:

Der CDU wird der Erzengel MICHael zugewiesen. Das entspräche der derzeitigen Wahlkampfstrategie der Partei, die in ihren letzten beiden Wahlkämpfen statt inhaltlicher Aussagen
ausschließlich auf die Parole „Mich Wählen“ gesetzt hat, was im Bundestag noch einigermaßen gegriffen hat. Möglicherweise liegt das darin begründet, dass mit Angela ein vermeintlicher Engel kandidierte. In NRW ging der Schuss allerdings treffsicher nach hinten los.

Für die GRÜNEN, die sowohl Umwelt wie Nahrung möglichst naturbelassen erhalten wollen, also einen URzustand anstreben, wird der Erzengel URiel freigestellt.

Bliebe als vierter himmlischer Gesandter RAFFael der FDP zuzuordnen, wobei sich jede weitere Erklärung erübrigt.

Des Weiteren bleibt anzumerken, dass bei der dünnen Personaldecke der Linkspratei kein Erzengel zugeordnet werden kann. Auf Grund des Beförderungsstopps wird sich an dieser Lage auch in absehbarer Zeit nichts ändern. Dass den Linken Lichtgestalten eine entsprechende Alliteration zugeschrieben werden soll, wie aus manch anderer Partei zu vernehmen, konnte nicht bestätigt werden. Allerding muss hier angemerkt werden, dass nach unseren Informationen in der Sache gar kein Antrag auf Beistand von der Linkspartei vorliegt.

Diese Angaben unterliegen der Vertraulichkeit und sind derzeit noch ohne Gewähr.

NACHSCHLAG:
Da es doch noch Unklarheiten in Sachen FDP gibt, hier noch ein paar Erläuterungen.
RAFFael hat natürlich nichts mit RAF zu tun, sondern eher mit RAFFke, der Ratte des kleenen Punkers aus Berlin.




Aber wir wollen hier niemand beleidigen. Dass es sich bei der FDP um die Rafferpartei -pardon, die Partei der Besserverdienenden handelt, hat sie selbst so definiert. Dabei scheint sie nicht zu raffen, dass man mit dieser Strategie nur wenig Stimmen zusammen raffen kann. Außer vielleicht bei jener Wahl, als einige Wähler nicht gerafft haben, dass man als Wähler der Raffer noch nicht selbst zum Raffer wird.

Neustart

Hallo Leute, nach fast einem Jahr Wahlkampf bin ich nun wieder da! Neuer Post folgt umgehend!

Dienstag, 2. Juni 2009

Wahlvorstellung

Stell dir vor

Stell dir vor,
du möchtest etwas trinken.
Du kommst in ein Lokal
und du kannst wählen:
Kaffee, Tee oder Saft.
Schön, nicht wahr!
Du hast die Wahl.

Stell dir vor,
du möchtest etwas essen.
Du kommst in ein Lokal
und du kannst wählen:
Menue 1, 2 oder 3.
Schön, nicht wahr!
Du hast die Wahl.

Stell dir vor,
du möchtest à la carte essen.
Du kommst in ein Lokal
und du kannst wählen:
Vorspeisen, Hauptgerichte, Desserts und Getränke.
Schön, nicht wahr!
Du hast die Wahl.

Stell dir vor,
du möchtest chic essen gehen.
Du sucht ein Lokal
und du kannst wählen:
Steakhouse, indisch, gut bürgerlich.
Schön, nicht wahr!
Du hast die Wahl.

Stell dir vor,
du hast die Wahl:
die Kommunalwahl, wo es um die Grundbbedürfnisse geht
die Landtagswahl, wo es um das Regionale geht
die Bundestagswahl, wo es um unser Land geht
die Europawahl, wo es um das Grundsätzliche geht.
Schön, nicht wahr!

Also, auf jeden Fall wählen gehen,
auch wenn du nur etwas trinken willst,
denn der Kaffee im Steakhouse schmeckt dir vielleicht doch besser.
Oder auch nicht.
Du hast die Wahl.




Mittwoch, 11. März 2009

Viel unterwegs

Zur Zeit bin ich viel unterweg. Das ist ja bei mir nichts Neues. Aber im Moment geht es vor allem um Politik. Der bevorstehende Kommunalwahlkampf, bei dem ich in Hohenlimburg für die Bezirksvertretunf kandidiere, wirft seine Schatten voraus.
Morgen wollen wir eine Ortsgruppe Hohenlimburg gründen. Die Einheimischen wissen, dass Hohenlimburg sowohl von der topografischen Lage als auch von der mentalen Sicht seiner Einwohner nicht wirklich zu Hagen gehört. Bis heute gibt es Autonomiebestrebungen. Eine Loslösung von Hagen ist allerdings eher illusorisch. Daher ist es sinnvoll, auch politisch die kleinere Einheit zu stärken und die Individualität zu erhalten ohne die Richtung "kleines gallisches Dorf gegen den Rest der Welt" einzuschlagen.
Ja, und dafür vernünftige und umsetzbare Konzepte zu erarbeiten, natürlich im Team und nicht im Alleingang, damit bin ich zur Zeit ziemlich beschäftigt.
Falls es Euch interessiert, findet ihr Aktuelles bei
http://www.facebook.com/home.php?#/group.php?gid=48922179311 (allerdings müsst Ihr Euch wohl bei facebook anmelden.

Montag, 12. Januar 2009

Hauptsache

Die Tage der Wünsche für’s neue Jahr gehen langsam zuende. Aber auch zu Geburtstagen, während der anrollenden Grippewelle oder auch wenn jemand niesen muss, wünscht man sich „Gesundheit“. Gesundheit ist die Hauptsache, meinen die meisten Menschen und jeder , der schon einmal krank war - und wer war das noch nicht ?- weiß, dass da etwas dran ist.
„Hauptsache gesund“, sagt man, wenn ein Baby geboren ist. Oder „ohne Gesundheit ist alles nichts.“
Nun sollte man meinen, dass solche Aussagen auch Prioritäten setzen. Jedoch das ist meistens weit gefehlt. Seit der Schutzimpfung in Kindertagen haben die meisten Menschen, die ich kenne, nichts mehr für Ihre Gesundheit getan, sondern bestenfalls etwas gegen ihre Krankheit.
In Gesundheitsmagazinen, Ratgebersendungen und nicht zuletzt in der Pharmawerbung geht es meist nur um Reparatur von Defekten.
Krankheit ist teuer, dass wird uns erst allmählich bewusst, weil unser Versicherungssystem längst nicht mehr alles bezahlt, was nötig wäre. So zahlt man eben selber oder man bleibt krank.
Dass es sinnvoller wäre, vorbeugend zu handeln und gar nicht erst krank zu werden, ist in entsprechenden Sonntagsreden immer wieder zu hören. Wenn es dann aber ans Konkrete geht, darf es nicht viel kosten. Vitamine und Salben aus dem Supermarkt sind angesagt wie nie.
„Hauptsache billig“, lautet die Devise. Das ist doch verwunderlich. Wenn es die Krankenkasse zahlen würde, wäre das Teuerste gerade gut genug, oder?
Ich bin zwar der Überzeugung, dass es noch Wichtigeres gibt, dennoch habe ich mich irgendwann entschlossen, etwas für meine Gesundheit zu tun.
Richtig, ich tue etwas für meine Gesundheit und nicht etwas gegen eine Krankheit. Seit Jahren habe ich keine wesentliche Krankheit mehr verzeichnen müssen. Natürlich erregen solche Aussagen das Interesse mancher Mitmenschen. Aber dann kaufen sie doch lieber bei Aldi.
Plötzlich wissen die Leute, dass das mit den Vitaminen alles nicht erwiesen ist, und dass Gebet um Heilung rein psychologisch einzuordnen ist und dass der Weg vom Fernseher zum Kühlschrank eigentlich genug Bewegung veranlasst.
Nahrungsergänzugnsmittel sind teuer, Sportstudios kosten Geld, alternative Heilmethoden auch. Alle wollen nur unser Geld, außer die Krankenkassen und der Apothekerverband, versteht sich.
Wenn man hingegen die Möglichkeit aufzeigt, jedenfalls die Kosten für Nahrungsergänzunsmittel zu refinanzieren, oder erklärt, dass Gebet um Heilung kostenlos ist, dann wird der Zeitgenosse ganz vorsichtig und misstrauisch. Nun, das kann ich verstehen, muss mich davon aber nicht umstimmen lassen.
Eine Grippewelle rollt auf uns zu. Ich sehe ihr gelassen entgegen und wünsche allen Lesern vor allem Gesundheit.

Dienstag, 6. Januar 2009

Schlangen

Schlangen haben einen schlechten Ruf. Es wird allgemein vor ihnen gewarnt. Spätestens seit der unangenehmen Geschichte im Paradies hält man Schlangen nicht nur für hinterhältig, sondern sogar für gefährlich.
Nun finden sich immer wieder mitleidige Zeitgenossen, die den guten Tierchen weiter helfen wollen. Denen seien folgende Weisheiten zu bedenken gegeben:
Es ist nicht sehr erfolgsträchtig, Schlangen auf die Beine helfen zu wollen.
Es bringt nichts, Schlangen einen Vorsprung zu geben, obwohl ihre Benachteiligung offensichtlich ist.
Nur, weil es einige Schlangenliebhaber gibt, ist es nicht für jeden erforderlich, die Schönheit von Schlangen zu betonen.
Dass das Gift ihrer Zähne auch zu pharmazeutischen Zwecken genutzt werden kann, macht es nicht weniger tödlich.
Ein praktischer Vorschlag: Sollten Sie in ihrem Umfeld eine Schlange haben, hören Sie auf, das Tier zu therapieren. Trennen sie sich einfach von ihm.
Alles andere ist vergebene Liebesmüh und manchmal eben durchaus gefährlich.

Samstag, 3. Januar 2009

Es geht gut los!

Heute, am 3. Januar, ist die erste Kurzgeschichte des Jahres fertig geworden. Es ist, wie sollte es um diese Jahreszeit anders sein, eine Weihnachtsgeschichte.
Für den neuen Kalender hat Ulrich gerade seine ersten Recherchen gemacht. Es gibt also den großen Buddeberg-Kalender 2010, was in der Kulturhauptstadt (Hagen gehört dazu) ja wohl Ehrensache ist. Dass die Texte von mir sein werden und dass Ulrich das Layout macht, steht schon fest. Neugierig? Auf meiner Homepage ist demnächst mehr zu finden. Jedenfalls hat für uns das Jahr kreativ und gut angefangen. So kann es weiter gehen.
Gute Vorsätze sind eine Sache, am 3. Januar die ersten Ergebnisse auf dem Tisch zu haben eine andere.Lasst Euch ermutigen, wenn ihr heute anfangt, habt ihr vielleicht auch schon in einer Woche die ersten Ergebnisse.

Donnerstag, 1. Januar 2009

Witzigster Neujahrsgruß

An alle, die uns für 2008 die besten Wünsche gesendet haben,
- es hat ü b e r h a u p t nichts gebracht !
Also: Schickt doch für 2009 bitte Geld, Alkohol und Tankgutscheine...
D A N K E !
...und Euch alles Gute und liebe Neujahrsgrüße von

Renate + Stefan

Gute Vorsätze

Heute ist der Tag der guten Vorsätze, denn im neuen Jahr soll alles besser werden, Jedenfalls im persönlichen Umfeld, oder?
Meine guten Vorsätze könnte ich hier veröffentlichen, will euch aber nicht langweilen ;-). Also heute nur so viel, wer gerade heute in diesen Blog schaut soll wissen, dass ich mich hier deutlich öfter äußern möchte, als man das bisher von mir gewohnt ist. Das ist also einer meinen guten Vorsätze fürs neue Jahr. TEST IT!
Allen Lesern wünsche ich ein in jeder Weise gesegnetes neues Jahr.

Sonntag, 8. Juni 2008

Das Tor

Jeden Morgen stehe ich davor , den Schritt zu gehen. Nachdem ich die Bedeutung einiger alten Symbole erahnt und die Schriftzeichen in eine sinnvolle Reihenfolge bringen konnte und plötzlich, wie aus einer anderen Welt, lebendiges Wasser vor mir stand. Leicht gekräuselt, wie von sanftem Wind bewegt, stand es aufrecht vor mir. Fasziniert und ungläubig und in dem vollen Bewußtsein, dass da vorher nichts war, dass dahinter eine Mauer sein muss, die dem Ganzen Halt gibt, wie bei den neumodernen Wasserfällen in Sparkassen und Einkaufszentren. Ich würde mit dem Kopf gegen die Wand meines Intellektuallismus laufen, sagten alle meine Erfahrungsparameter. Unter Umständen ein tödliches Experiment.
Von Furcht und Zweifel gehalten und dabei magisch angezogen bewege ich mich auf dieses Tor zu. Was , wenn die alten Mythen wirklich stimmen, was, wenn die Schrift nicht Märchen sondern Realität ist? Was steckt dahinter?
Sicher ist nur, dass dieser Schritt mich verändern wird. Ich werde nicht mehr sein wie ich bin. Ich werde meiner Umwelt fremd, weil ich anderes gesehen habe.

Jeden Morgen stehe ich davor, den Schritt zu gehen. Mein Gesicht berührt dieses lebendige Wasser und ich weiß, es gibt kein zurück. Selbst, wenn ich zögere, mich wieder zurück nehme, ich kann es nicht mehr lassen. Dieses Wasser auf meiner Haut, dieses leichte kräuseln des unirdischen Windes. Ich muss es haben, dieses Gefühl, immer wieder.
Jedesmal gehe ich diesen Schritt, erfüllt von einer Furcht, die man Ehrfurcht nennt, nicht geschoben oder gedrängt sondern aufrechten Gangs. Längst weiß ich, dass es keine Mauer ist, was mich dahinter erwartet, dass ich nicht weggerissen werde aus dem Land der Lebendigen, dass kein bodenloser Abgrund mich verschlingt, das ich nicht mal mein bisschen Verstand verliere. Obwohl ich das längst weiß, ist es jedes Mal ein Schritt, der meine Entscheidung fordert.
Und dann reißt es mich wirklich, vorbei an den Mächtigen und Gewaltigen, die unter dem Himmel wohnen, ungeachtet tobender Kämpfe und kosmischer Gefahr, über die Grenzen aller bekannten, unbekannten und ungeahnten Galaxien hinaus direkt in den Thronsaal hinein.
Hinein in jenes Licht, das Sterbende erahnen, hinein in jene Herrlichkeit, die Glaubende erhoffen, hinein in Deine Arme, mein Gott und mein Herr, mein Vater. Du hältst mich und ich halte mich an dir fest. Du sagst mir, dass du dich freust, mich zu sehen, dass du auf mich gewartet hast. Ich hätte es auch ohne den Wort gewusst. Hier weiß ich einfach ohne Worte ohne Fragen. Und doch fragst du. Du hast Interesse an mir, an meinem Leben da in der anderen Welt aus der ich komme. Natürlich kennst du meine Welt. Du bist ja den umgekehrten Weg gegangen um das Tor wieder zu öffnen. Und doch fragst du und ich erzähle dir alles. Worüber ich mich freue, meine Erfolge und meine Niederlagen, selbst das, wofür ich mich schäme, das von dem ich weiß, dass es dich verletzt hat und natürlich das, was mich verletzt hat. Und ich erzähle von den Menschen, die mir begegnen und von ihren Geschichten und Nöten. Von der Freundin, die Angst hat vor ihrer Augenoperation, von dem Freund, der seine Kinder nicht mehr sehen darf, von dem Spaß, den ich mit den anderen miteinander gestern Abend beim Wein hatte und von dem Film, den es gestern im Fernsehen gab. Ich erzähle, was ich vor habe und wer heute Geburtstag hat. Und du hörst mir zu, wir lachen und weinen miteinander und ich frage, was ich für meine Freunde tun kann. Ich bitte dich um alles was ich brauche, was mir fehlt für mich und für meine Freunde. Du teilst Deine Sicht der Dinge mit mir und gibst mir, worum ich Dich gebeten habe und meist noch etwas mehr, für alle Fälle, wie du sagst.
Und dann gehe ich zurück. Sie warten auf mich in meiner Welt. Du umarmst mich lange und eigentlich möchte ich hier bleiben. Der Tag kommt, ich weiß, aber noch nicht heute, noch nicht jetzt.
In meiner Welt ist kaum Zeit vergangen. Die Dusche wartet auf mich und das Frühstück und meine Freunde. Wie gerne würde ich sie mitnehmen, wie gerne würde ich ihnen von dem Tor erzählen. Sie hören zu, sie staunen und lächeln oder sie werden ärgerlich. Manchmal nehmen sie von dem, was ich mitgebracht habe, manchmal nicht. Manchmal gehen sie mir aus dem Weg und manchmal geben sie mir ein Päckchen, das ihnen zu schwer wird, damit ich es mitnehme an den Ort, von dem sie überzeugt sind, dass er nicht existiert.
Und ich habe Sehnsucht danach, dass sie zwischen ihren zerbrochen Träumen die alten Symbolen zu deuten lernen, die Schrift an der Wand zu lesen verstehen und sich von dem lebendigen Wasser verlocken lassen. Oder, dass ich sie einfach an die Hand nehmen darf.
Jeden Morgen stehe ich erneut davor, diesen Schritt zu gehen. Aber es liegt nicht an der Tageszeit. Das Tor steht immer offen.

Samstag, 3. Mai 2008

Manchmal hab ich's im Kopf

Ich hab’s im Kopf. Hunderte von Liedern aller Art. Am liebsten wache ich mit einem Lobpreislied im Kopf auf. Dann fühle ich mich geborgen und fröhlich.
Heute morgen war es wieder mal ganz anders. Das erste Lied des Tages: „O Bochum , du Perle Westfalens, o Bremen (oder Hamburg, oder München, oder Dresden, gegen wen der Vfl gerade spielt) du hässliches Nest...“ Ein furchtbares Lied, kenn es seit Jahre, habe es aber nie gesungen. Was soll das jetzt? Versuch ich mal ein Loblied „Jesus, du bist König“. Eigentlich möchte ich mir morgens gute Gedanken machen, Gedanken, die mich aufbauen, fröhlich stimmen... und die Gott die Ehre geben, natürlich... „You’re the one that I want, Hu hu hu hu, the one that want.“ Oh nein, nicht das . Nicht „die Wanne ist voll“, ich werde heute nur duschen und will ein vernünftiges Lied im Kopf haben statt der Ohrwürmer, die sich durch durch meine Gehirnwindungen schlängeln. Neuer Versuch: „Groß ist unser Gott, Herr der Ewigkeit“. Gleich geht der Wecker. Welch eine CD wohl drin ist? Country, glaube ich: „Ruby, don’t take your love to town.“ Das darf ja wohl nicht wahr sein! Nicht mal drei Minuten kann ich mich konzentrieren und das am frühen Morgen.
Herr, ich möchte mich nicht ablenken lassen, möchte Dich loben, den Tag vorbereiten, was willst du mir heute sagen?
Wie hieß noch der Typ von dem ich das Bochum-Lied kenne? Hat mir nicht jemand erzählt, dass er vor kurzem einen Herzinfarkt hatte? Richtig. Vielleicht ist es an der Zeit, mal für ihn zu beten?
„You’re the one that I want.“ Ist es das, was mir Gott heute zu sagen hat? Mich möchte er? Ich bin Ihm wichtig? Das lass ich mir gerne sage, das macht mich ganz heiter und gelassen.
Ich brauch‘ nicht losziehen und nach irgend was suchen, ich hab‘ schon, was ich brauche: Ich muss weder meine Liebe zum Markt tragen noch muss ich Gott beweisen, dass ich ihm die Ehre gebe.
Er kennt mich, er liebt mich und er spricht zu mir, nicht nur in frommen Liedern. Manchmal eben auch mit dem Fundus, den ich im Kopf habe.

Donnerstag, 1. Mai 2008

Von Rosen und Orchideen

Die Orchideen sind nun fast verblüht. Seit immerhin fast einem Monat zieren sie das Wohnzimmer. Ein Freund hatte sie mitgebracht aus dem fernen Singapur, wo er lebt und arbeitet. Eine betörende Pracht, die viel mehr auslöst als Bewunderung. Eine Tiefe Freude ob der Schönheit dieser Gewächse und ob der Liebe, die sie symbolisieren sollten.
Und dann war da noch die Rose. Eine einzelne langstielige Rose in gelb mit schmalen orangenen Rändern an den Blütenblättern. Viele ihrer Art waren verteilt worden an die Ehefrauen derer, die ein Jubiläum feiern durften. Ein Zeichen der Wertschätzung.
Gemeinsam mit den Orchideen überstand sie die Fahrt, nur weinige Kilometer. Allerdings erwiesen sich die zarten Orchideen, die schon etliche Flugstunden hinter sich gebracht hatten, als robuster. Jedenfalls erschien das so auf den ersten Blick.
Bereits als die Rose nach frischem Anschnitt in die Vase gestellt wurde, ließ sie die Blätter hängen. Das Grün erholte sich auch nicht mehr und so fielen die Blätter bald ab. In Anbetracht der Schönheit der Blüte, die sich trotzend hielt, blieb die Rose an ihrem Ort und wurde nicht entfernt.
Als dann die Blüte langsam anfing einzutrocknen wurde etwas erstaunliches offenbar: An den Stellen, an denen die Blattstiele gesessen hatten, trieb das Holz erneut aus. Kleine lichtgrüne Blättchen zeigten sich. So stand die Rose weiter da, obwohl ihre Blüte nun langsam aber sicher vertrocknete.
Inzwischen sind aus den zarten Trieben kräftige junge Zweiglein geworden. Vermutlich haben sich im Untergrund Wurzeln gebildet. Sollte das so sein, dann bekommt die Rose einen Ehrenplatz auf unserem Balkon. Als Gleichnis sozusagen:
Manches geht im Laufe der Zeit verloren. Vielleicht aus Unachtsamkeit, vielleicht aus Stress, meistens weiß man nicht genau warum. Aber darunter ist etwas neues entstanden, etwas kräftiges, lebensbejahendes. Wenn wir es erkennen, werden wir es nicht mehr vermissen wollen.
Dei Orchideen sind fast verblüht. Wie es mit der Rose weiter geht, werden wir sehen.

Mittwoch, 13. Februar 2008

Das Christival und die Grünen

Liebe Leute,

manche von Euch wissen es: Benni versucht grün zu werden. Jetzt haben die Parteifreunde eine Kleine Anfrage im Bundestag eingebracht, die mit falschen Behauptungen und polemisch gegen das Christival auftritt. Dazu musste ich mich äußern und habe das auch an gegebener Stelle getan.
Na und damit Ihr auch etwas davon habt, packe ich es Euch einfach in den Bolg.

Da ich über die Veranstaltung „Christival 08“. informiert bin und auch über die Presse die Kommentare kenne, die diesem Antrag zu Grunde liegen, halte ich es für angebracht, die aktuellen Fakten darzustellen.

- Christival ist ein Festival für Christen, das seit 1976 in unregelmäßigen Abständen und an unterschiedlichen Orten durchgeführt wird.
- Neben Gottesdiensten, Diskussionen, Konzerten usw. werden Workshops durchgeführt (vergleichbar dem Kirchentag)
- Das Christival 08 bietet ca. 250 Workshops an, (vom „Kochen für Freizeiten“ über „leidenschaftlich predigen“ oder „Warum heiraten, wenn leasen so einfach ist“ bis zu „Christen in China“ und „Zivilcourage“
- Ein geplanter Workshop mit angeblich „antihomosexuellem“ Inhalt findet nicht statt. Der als solcher empfunde wurde nach Protesten entsprechender Gruppen ersatzlos gestrichen, da die Veranstalter (auch die dieses geplanten Einzelworkshops) weder provozieren noch verletzen wollen.
- Das zitierte Zitat eines Gedichtes stellt wohl eher den Gemütszustand eines Menschen dar, der mit seinen homoerotischen Neigungen Probleme hat. Jedenfalls ist es nicht, wie in dem Schreiben quasi unterstellt, ein „Therapie“Konzept.
Das Schreiben wendet sich also gegen einen Workshop, der gar nicht stattfindet.

Wogegen wendet sich also der Protest?
- Allein gegen den Umstand, dass solch ein Workshop geplant war? Das kann doch nicht im Sinne von Meinungsfreiheit sein.
- Gegen die Auffassung, dass eine sexuelle Umorientierung möglich sein könnte? Das wendet sich meines Erachtens genau gegen die sexuelle Selbstbestimmung, für die gerade die Schwulen- und Lesbenbewegung eintritt. Sexualität ist Privatsache. Das bedeutet, dass Präferenzen keine Diskriminierung zur Folge haben dürfen. Allerdings bedeutet das auch, dass jeder für sich die Entscheidungsfreiheit haben muss, homosexuell oder heterosexuell oder sogar zölibatär zu leben. Dass jede dieser Lebensweisen Vor- und Nachteile, aber auch Probleme mit der Gesellschaft oder mit sich selbst zur Folge haben kann, ist ein Allgemeinplatz. Der umstrittene Workshop wandte sich an Menschen, die sich ihrer homosexuellen Neigung bewusst sind, die aber, aus was für persönlichen Gründen auch immer, diese Neigung nicht ausleben wollen. Was ist daran verwerflich?
- Gegen die Thematisierung der Homosexualität in kritischer Weise? Eine differenzierte Diskussion halte ich im Sinne der Meinungsfreiheit für dringend erforderlich. Gerade auch der Umgang mit islamisch geprägten Mitbürgern kann diesem Thema auf Dauer noch brennende Aktualität verleihen, da die Ablehnung von homosexuellen Praktiken auch im Koran eindeutig ist (in der Auslegung meines Wissens erheblich unumstrittener als in christlicher Theologie).

Die Kampagne gegen „Christival“, wie sie gerade geführt wird, liegt für mich unter „Koch-Niveau“. Ich erlebe sie als populistische Aktion auf Kosten einer Minderheit.
Was den Anspruch einer „Wissenschaftlichkeit“ angeht, gibt es und gab es immer schon verschiedene Ansätze. Gerade das bringt ja den Fortschritt, sonst wären wir alle schon von der Scheibe heruntergefallen. Selbst Irrwege bringen weiter. Was noch zu keiner Zeit weiter gebracht hat, ist die quasi inquisitorische Ablehnung abweichender Meinungen. (nicht nur im Bereich der Sexualethik, erwähnt sei die Frage nach der friedlichen Nutzung der Kernkraft)

Was den Begriff „fundamentalistisch“ angeht, der ja in unserem Sprachgebrauch inzwischen ausschließlich militant verstanden wird, ist dieser für die Veranstaltung „Christival“ unangemessen. Sollte er möglicherweise aus mangelndem Sprachgefühl „neutral“ gemeint sein, stellt sich mir die Frage, ob es in diesem Sinne eigentlich schon die Umschreibung „fundamentalistische Homosexuelle“ gibt.

Ich protestiere gegen dieses Schreiben und diese Kampagne, weil ich für Meinungsfreiheit und sexuelle Selbstbestimmung bin. Bisher hatte ich den Eindruck, diese demokratischen Grundwerte seien gerade in der Partei der Grünen Konsens.

Mittwoch, 30. Januar 2008

Schmutzige Wäsche

Mit schmutziger Wäsche kenn' ich mich aus. Mit der meisten wird meine Miele (Nur Miele, Miele, rief die Tante, die alle Waschmaschinen kannte...ENDE der Werbung) ganz gut fertig. Schwieriger ist es mit der quasi virtuellen schmutzigen Wäsche, die in allen Vereinen, Gruppen, Kreisen, Nachbarschaften gewaschen wird.Da könnte ich zwar ein böses Liedchen von singen, lass es aber, denn gerade diese schmutzige Wäsche wird, wenn sie hin und her gewaschen wird, nicht sauberer. Was mich betrifft habe ich mir vorgenommen, diese Wäsche so gut wie möglich zu ignorieren, was nicht heißt, dass ich damit den Verursachern einen Persilschein (ACHTUNG, keine Werbung) ausstelle, sondern nur, dass ich mich einfach weigere mitzuspielen.

Merke: Wer sich beim Waschen schmutziger Wäsche nicht beteiligt
sollte sie sich auch nicht anziehen.

Mittwoch, 19. Dezember 2007

Deutsche Sprache?

Ich liebe die deutsche Sprache,
aber was musste ich heute Morgen auf der Verpackung meiner Zahnbürste lesen:
"ergonomischer soft grip"
Na dann....

Mittwoch, 5. Dezember 2007

Nikolausgruß

Nicht nur am Nikolaustag
dem anderen
lieber mal was
in die Schuhe
stecken
statt
schieben

Freitag, 30. November 2007

Künstlerweihnacht

Morgen, Kinder, und übermorgen werden wir weihnachtlich zusammen feiern, die Künstler in der Galerie Art-Ist in Altenhagen mit den Malschülern. Wir werden dabei sein mit Gedichten und Liedern, mit Gottesdienst und Kaffeestube. Nicht die Marktschreier, nicht die Rufmörder, nicht die Oberkünstler, sondern nur wir: wir Künstler und Kleinkünstler, Freunde, die etwas miteinander machen möchten, Freunde, die etwas miteinander aufgebaut haben. Vorbeischauen, Kennenlernen und vielleicht Mitmachen. Dazu laden wir ein. Es wird eine gute Zeit.